Milchtechnologin/Milchtechnologe – ein Beruf für verschiedene Geschmäcker
Wer Milchtechnologin oder Milchtechnologe lernen will, der wählt einen Beruf, der Zukunft hat. Die Branche braucht gut ausgebildete Fachleute, die Verantwortung übernehmen wollen. Der Beruf Milchtechnologin und Milchtechnologe ersetzt die Berufe Käserin/Käser und Molkeristin/Molkerist. Die Berufsbezeichnung ist wie folgt angelegt: breites Basiswissen zur Milchverarbeitung und Verarbeitungsprozessen, vertiefte Ausbildung in mindestens vier Produktionszweigen. Dadurch wird den Berufsleuten eine flexible Laufbahngestaltung geboten.
Milchtechnologinnen und Milchtechnologen verarbeiten die vom Bauern angelieferte Milch. Die Milchprodukte, die wir täglich geniessen, sind von ihnen hergestellt. Die Milchtechnologinnen und Milchtechnologen sind von der Milchannahme bis zum fertigen Produkt mit dabei. Von der angelieferten Milch nehmen sie Proben und prüfen sie auf ihre Qualität. Einen Teil der Milch behandeln sie für die Weiterverarbeitung vor, durch Zentrifugieren, Homogenisieren, Pasteurisieren und Uperisieren. Dann kann es losgehen: Trinkmilch, verschiedenste Käsesorten, Butter, Joghurt, Quark, Rahm, Glacen, Milchpulver und Desserts werden hergestellt. Viele Milchprodukte werden nach bestimmten Rezepten erstellt. Ohne Frage wird während der Prozesse immer wieder die Qualität geprüft.
Klein, aber fein
In einem kleinen Ort im Oberaargau ist Thomas Hofer bekannt für seine köstlichen Produkte. Bereits vor dem Laden muss man einfach schmunzeln, denn auf einer schwarze Tafel steht: «Januarloch-Käse». In der Dorfchäsi Aarwangen findet der Liebhaber von Milchprodukten alles, was das Herz begehrt. Betritt man die Dorfchäsi, steigen nicht nur leckere Düfte in die Nase, hinter der Käsetheke wird man zudem freundlich beraten und bedient. Inhaber Thomas Hofer, eidgenössisch diplomierter Käsemeister, stellt nebst dem breiten Käsesortiment aber noch viele andere Produkte her: Joghurt, Quark, Rahm. «Wir sind bekannt für unsere hausgemachte Fonduemischung. Auch bieten wir die Fonduebar zum Mieten an», erklärt der Spezialist. In der Dorfchäsi Hofer Aarwangen werden auch Lehrlinge ausgebildet. «Wir nehmen Lehrlinge, die wirklich den Beruf des Milchtechnologen/der Milchtechnologin erlernen wollen. Wir haben leider schon die Erfahrung gemacht, dass baldige Schulabgänger keine Lehrstelle finden und aus diesem Grund diese Ausbildung wählen. Um aber diese Tätigkeit auszuführen, muss man mit Leib und Seele dabei sein. Auf junge Leute, die sich engagieren, warten gute Möglichkeiten. Denn Top-Fachleute sind gesucht. Meiner Meinung nach sind auch die Arbeitszeiten interessant. Man beginnt früh morgens, zwischen vier und sechs Uhr, hat am Nachmittag aber frei», so der Käsemeister.
Die Milch macht es möglich
Die Ausbildung zur Milchtechnologin/zum Milchtechnologen dauert drei Jahre. Sie besteht aus einer Grundausbildung mit Kenntnissen in mindestens vier der folgenden Produktionsbereiche: Hartkäse, Weich- und Halbhartkäse, Quark, Frischkäse, Konsummilch und Rahm, Butter, Sauermilchprodukte, Dessertprodukte, Speiseeis, Dauermilchprodukte und Schmelzkäse. Ausserdem müssen die Auszubildenden über fundierte Kenntnisse betrieblicher Qualitätssicherungssysteme verfügen und sich in den Bereichen Personal-, Produkt- und Betriebshygiene auskennen. «Das Ausgangsprodukt selbst – also die Milch – ist im Joballtag bei grossen Firmen wie beispielsweise der Emmi in der Regel gar nicht mehr sichtbar. Bei uns im Kleinbetrieb fügt die Milchtechnologin/der Milchtechnologe die Früchte noch selbst in den Joghurt. So werden beispielsweise Separatoren, Reifungsbehälter und Abfüll- und Verpackungsanlagen eingerichtet, in Betrieb genommen und gewartet», sagt Thomas Hofer. Zu den Berufs-Anforderungen zählen ein ausgesprochenes Hygienebewusstsein, Freude am Umgang mit Lebensmitteln, ein guter Geruchs- und Geschmackssinn, technisches Verständnis aber auch das Interesse an Naturwissenschaft und Technik. «Wir dürfen einen hochinteressanten Beruf ausüben. Wer Milchtechnologin/Milchtechnologe lernt, hat eine gute Ausgangslage für die Zukunft», ist Thomas Hofer überzeugt.
Leckere Käsespezialitäten durch innovatives «Pröbeln»
«Die restriktiven Massnahmen auf dem Emmentaler-Markt zwangen uns vor Jahren Alternativen zu ergreifen. Wir empfanden es fast als Sünde, unsere Qualitätsmilch als Überschuss in die Industrie abzuliefern», so der Käsehersteller Thomas Hofer. Nichts lag näher, als in Richtung eines eigenen Käses zu forschen. Die Freude am Beruf, die Lust am innovativen «Pröbeln», die aktive Mithilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vorhandene gute Einrichtung im Produktionsbetrieb und die Zupachtung des Reifungskellers in Rumendingen führten zu allseits beliebten Käsespezialitäten wie beispielsweise die «Pfefferkugel» – eine äusserst geschmackvolle Verführung. Der «Huus Chäs» oder der geräucherte «Chemihütte Chäs». Der Vorteil der Dorfchäsi Hofer in Aarwangen ist der persönliche Bezug zum Konsumenten. «Bei uns kann man 24 Stunden täglich per Fax bestellen. Wir sind vor Ort und der Fondueautomat vor dem Geschäft bietet rundum frische Produkte an. Natürlich verhungert niemand, wenn es uns nicht geben würde», ergänzt der Oberaargauer. «Wir haben unsere feine Fonduemischung über Jahre aufgebaut. Das Echo ist durchwegs positiv. Die Fondue-Monate sind von September bis März. Im April haben die Leute genug vom Fondue. Dann produzieren wir vor allem Joghurt und Quark.»
Die Weiterbildungsmöglichkeiten
Nach der Ausbildung können sich die Berufsleute auf einen bestimmten Produktionsbereich oder einen technischen bzw. administrativen Bereich spezialisieren. Es gibt die Möglichkeit Milchtechnologin oder Milchtechnologe mit eidgenössischem Fachausweis (Vorbereitung Fachschule I) oder Milchtechnologin oder Milchtechnologe mit eidgenössischem Diplom (Vorbereitung II). Daneben gibt es die Richtung Dipl. Techniker/-in HF Lebensmitteltechnologie oder Lebensmitteltechnologe/-in BSc FH Schwerpunkt Milchwirtschaft, Biotechnologe/-in BSc FH. (Bilder: Archiv/Dorfchäsi Hofer)
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