«Mir gefällt der Umgang mit Menschen»
Die Fachfrau / der Fachmann Gesundheit (FAGE) pflegt und betreut Klientinnen und Klienten in Institutionen des Gesundheits- und Sozialwesens im stationären wie ambulanten Bereich. Die Fachfrau / der Fachmann Gesundheit unterstützt das körperliche, soziale und psychische Wohlbefinden von Personen jeden Alters in deren Umfeld und gestaltet mit ihnen den Alltag.
Die Ausbildung Fachmann/-frau Gesundheit EFZ dauert drei Jahre. Im ersten und zweiten Lehrjahr gehen die Auszubildenden zwei Tage in die Berufsschule, im dritten Jahr ist es noch ein Schultag pro Woche. Zu Beginn der Ausbildung ist der schulische Anteil grösser als der praktische, am Ende ist das Verhältnis umgekehrt. Die berufsbezogenen Fächer umfassen: Ausrichtung des beruflichen Handelns an den Klientinnen und den Personen in deren Beziehungsumfeld, Hygiene und Sicherheit, Pflege und Betreuung, medizinaltechnische Verrichtungen, Krise und Notfall, Ressourcenerhaltung und Prävention, Alltagsgestaltung, Ernährung, Kleidung und Wäsche, Haushalt, Administration, Logistik und Arbeitsorganisation. Bei sehr guten schulischen Leistungen kann während der Grundausbildung die Berufsmaturitätsschule besucht werden. Am Ende der Ausbildung gibt es das Diplom: eidgenössisches Fähigkeitszeugnis «Fachmann/-frau Gesundheit EFZ». Der Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen setzt die Bereitschaft voraus, sich auf ihre Sichtweisen und Lebenssituationen einzulassen. Die vielfältigen Tätigkeiten erfordern eine rasche Auffassungsgabe, Flexibilität und gute Beobachtungsfähigkeit sowie psychische Belastbarkeit und körperliche Gesundheit.
«Wir versuchen den Menschen eine gewisse Selbstständigkeit zu ermöglichen»
Michelle Mondelli absolviert die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit im dritten Lehrjahr. Sie hat mit Menschen zu tun, die zwischen 30 und 100 Jahre alt sind. Im medizinischen Bereich fallen Tätigkeiten wie Körperpflege, Verbandwechsel, das Bereitstellen von Medikamenten oder die Blutdruckmessung an. Sie unterstützen die Leute, jene Dinge selbst zu tun, die sie noch selbstständig machen können. «Bei täglichen Einsätzen geht es oft darum, den Leuten zuzuhören und mit ihnen zu reden. Interesse an Menschen und Kontaktfreudigkeit sind daher wichtig», erzählt Michelle Mondelli, Fachfrau Gesundheit im dritten Lehrjahr.
Michelle Mondelli, welchen Aufgabenbereich führt eine Fachfrau Gesundheit aus?
Es gibt vier Teilbereiche: Administration und Logistik, Pflege und Betreuung, Medizinaltechnik und Alltags- und Freizeitgestaltung.
In den verschiedenen Institutionen wie Spital, Alters- und Pflegeheime werden Ausbildungen zur Fachfrau Gesundheit angeboten. Du hast das erste und zweite Lehrjahr im Spital absolviert und im dritten Lehrjahr zur Spitex gewechselt. Wo liegt der Unterschied?
Bei der Spitex ist die Betreuung der Patienten persönlicher als im Spital. Obwohl wir auch viel zu tun haben, können wir uns mehr Zeit für die Klienten nehmen. Bei der Spitex wird besonders darauf geachtet, dass die Patienten selbstständig bleiben. Im Spital muss alles viel schneller gehen.
Welche Aufgaben werden einer Fachfrau Gesundheit vorenthalten und warum?
Infusionen legen oder die direkte Medikamentenabgabe in die Venen sind der Fachfrau Gesundheit vorenthalten. Dies gehört in den Aufgabenbereich der diplomierten Pflegefachfrau.
Oft besuchst du die Leute alleine. Ist selbstständiges Arbeiten eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf?
Ja, bei der Spitex ist das selbstständige Arbeiten eine Grundvoraussetzung. Das gibt mir die Möglichkeit Ideen einzubringen, denn Verbesserungsvorschläge werden geschätzt.
Du stehst kurz vor deiner Abschlussprüfung. Welches waren die schönsten Erlebnisse in deiner Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit?
Es gibt immer wieder schöne Momente. Die älteren Menschen sind uns sehr dankbar für unsere Unterstützung. Mich freut es, wenn die Leute auch im hohen Alter noch in ihren vier Wänden wohnen können.
Im Gesundheitswesen fehlt es an Fachkräften an allen Ecken und Enden. Welches sind die Gründe dafür?
Man braucht ein gewisses Flair, um im Gesundheitswesen tätig zu sein. Auch die Schichtarbeit ist sicherlich ein Hindernis. Es wird oft von höheren Löhnen im Gesundheitswesen gesprochen, jedoch sind das nur leere Worthülsen. Der Verdienst in anderen Berufen ist sicherlich attraktiver.
Du pflegst in der Spitex viele ältere Menschen. Merkt man, dass die Leute oft ziemlich isoliert leben?
Wir haben Patienten, die seit Jahren nicht mehr aus der Wohnung gegangen sind. Oft gibt es Menschen, die mit Depressionen zu kämpfen haben oder keine Nachkommen haben, da sind wir oft die einzigen Bezugspersonen.
Wie kannst du als Fachfrau Gesundheit vorgehen, um diesen Menschen den Alltag zu verschönern?
Dies ist situationsabhängig. Ein nettes Wort und ein offenes Ohr ermuntern die Menschen. Wir versuchen auch verschiedene Dinge anzubieten wie beispielsweise «den Mittagstisch», wo sich die Leute zu Mittagessen treffen. Auf diese Weise entstehen neue Kontakte, um das soziale Umfeld zu erweitern.
Du wirst mit verschiedenen Gebrechen und Problemen konfrontiert. Wie hast du gelernt, den Ballast nicht mit dir herumzuschleppen?
Ein gutes privates Umfeld ist sehr wichtig. Wenn mich etwas bedrückt, kann ich darüber sprechen. Auch im Team sprechen wir oft über die Patienten, dies hilft mir ungemein, das Geschehene zu verarbeiten.
Welche Tipps würdest du anderen jungen Menschen geben, die sich entschliessen dieselbe Ausbildung in Angriff zu nehmen?
In der Schule muss man immer «up to date sein», damit man sich gut auf die Abschlussprüfung vorbereiten kann. Wichtig ist es die alltäglichen Probleme zu besprechen, damit man die Probleme nicht in sich hineinfrisst und daraus keine Krankheit wie ein «Burnout» entsteht. Die Arbeit ist auch körperlich sehr anspruchsvoll.
Der Beruf Fachfrau Gesundheit ist nicht mehr ausschliesslich ein Frauenphänomen. Sind die Männer in dieser Berufsgruppe nicht mehr so rar wie früher?
In der Spitex gibt es momentan wenige Männer. In der Schule sind wir elf Mädchen und sechs Knaben. Es gibt tatsächlich immer mehr Männer, die sich für den Fachmann Gesundheit interessieren.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es? Hast du dich schon für deinen weiteren Weg entschieden?
Die Auswahl ist gross. Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie: diplomierte Pflegefachfrau, Ernährungsberaterin, Ergo- oder Physiotherapeutin. Nach der Ausbildung möchte ich vorläufig auf dem erlernten Beruf weiterarbeiten.
mm
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