LastwagenführerIn - ein Berufsbild im Wandel

Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent, technisches Verständnis, Selbständigkeit und natürlich auch Zuverlässigkeit sind einige der Eigenschaften, die man als Lastwagenführerin oder Lastwagenführer haben muss. Dazu kommen je nach Arbeitgeber und Branche unregelmässige Arbeitszeiten. Für Fernfahrer bedeutet dies in der Regel, dass sie die ganze Woche über nicht zu Hause sind.

Autofahrerinnen und -fahrer ohne LKW-Fahrpraxis unterschätzen oft die Anforderungen, die dieser Beruf beinhaltet, und haben deshalb für die Situation eines LKW-Fahrers wenig Verständnis. Stress im Berufsverkehr ist gerade in der kalten Jahreszeit mit widrigen Wetterbedingungen ein Dauerthema. Die Berufsausbildung im Strassentransportgewerbe hat eine zentrale Bedeutung, die wir Ihnen nachstehen etwas näher bringen möchten. Durch die zunehmend höheren Anforderungen an den Chauffeurberuf und die demografische Entwicklung wird befürchtet, dass in den kommenden Jahren Nachwuchsprobleme auftreten werden. Dies und die Tatsache, dass der betriebswirtschaftliche Druck auf die Unternehmen zugenommen hat, sind die Gründe, weshalb eine weitere Professionalisierung unumgänglich geworden ist.

Das Berufsbild
Lastwagenführerinnen und -führer transportieren Güter aller Art. Sie sorgen dabei für die richtige Handhabung des Transportgutes und kennen natürlich die fachlichen Vorschriften. An schweren Motorfahrzeugen führen sie Wartungs- und Unterhaltsarbeiten durch. Lastwagenführerinnen und -führer sind mit Lastwagen, Lastzügen oder Sattelschleppern unterwegs und für den Transport von Gütern von einem Ort zum anderen verantwortlich. Vor der Fahrt kontrollieren sie jeweils die Fahrbereitschaft des zugeteilten Fahrzeugs. Sie tragen die Verantwortung für den Lastwagen und die geladenen Güter. Nach der Beurteilung des Ladegutes beladen sie das Fahrzeug. Besondere Aufmerksamkeit verlangen empfindliche Frachten und explosive Stoffe, die geschützt und gesichert werden müssen. Lastwagenführer wissen, wie sie ihren Lastwagen optimal beladen und das Transportgut so verteilen, damit das richtige Stückgut in der richtigen Reihenfolge am Bestimmungsort abgeladen werden kann. Vor Fahrtbeginn berechnen Lastwagenführerinnen und –führer den Zeitaufwand. In grossen Transportfirmen erledigt dies die Dispositionsabteilung. Bei speziell langen Gütern oder schweren Lasten muss die Route sorgfältig geplant werden, da Baustellen und schmale Strassen Umwege erfordern. Sie prüfen auch, ob alle Begleitpapiere, Lieferscheine und Zollpapiere für die Fahrt vorhanden sind. Lastwagenführer kennen die internationalen Transportvorschriften im Inland resp. im grenzüberschreitenden Strassenverkehr.

Sicherheit im Vordergrund
Die oft langen Fahrten erfordern eine permanent gleich bleibende Aufmerksamkeit und Konzentration. Der vorgegebene Zeitplan darf nicht dazu verleiten, die Sicherheit zu vernachlässigen, da dies den Entzug des Fahrausweises und somit ein Berufsverbot zur Folge hätte. Sie bedienen den Fahrtenschreiber, der als Beweis der geleisteten Arbeitsstunden und gefahrenen Kilometer gilt. Selbst unter Zeitdruck im städtischen Verkehr, bei Pannen oder einem Unfall bleiben sie ruhig und ergreifen die notwendigen Massnahmen. Sie fahren wirtschaftlich und umweltgerecht und bedienen das Fahrzeug einwandfrei. Am Bestimmungsort überwachen Lastwagenführerinnen und –führer das Entladen. Dank Kippvorrichtungen und hydraulischen Abladeflächen ist dies ohne grössere körperliche Anstrengungen möglich. Oft muss das Restgut wieder neu eingeladen und richtig verteilt werden. Die abgeholten resp. gelieferten Waren lassen sie vom Empfänger bestätigen. Bei Fahrten ins Ausland und zurück erledigen sie auch die Zollformalitäten. Gegenüber ihrer Kundschaft treten sie zuvorkommend auf. Nach der Rückkehr reinigen sie das Fahrzeug, führen kleine Reparaturen und Unterhaltsarbeiten aus, damit der Lastwagen am nächsten Tag wieder startbereit ist.

Die Berufslehre heute
Die Ausbildung erfolgt aufgrund des eidg. Ausbildungsreglements aus dem Jahre 2003. Die Lehre dauert drei Jahre und wird in einem Betrieb des Strassentransportgewerbes absolviert. Die Berufsschule wird an einem Tag pro Woche besucht und beinhaltet die berufsbezogenen Fächer Berufskunde, Mathematik und Physik, Werkstoffe, Betriebsstoffe und Transportgüter, Fahrzeugkunde und Informatik, Verkehrslehre und Verkehrsgeografie. Bei sehr guten schulischen Leistungen kann während der Grundausbildung zusätzlich die Berufsmittelschule besucht werden. Parallel zur Ausbildung sind überbetriebliche Kurse an insgesamt 22 Tagen zu diversen Themen vorgesehen. Im 3. Lehrjahr wird zusätzlich die Gefahrgut- und Staplerprüfung absolviert. Nach Erreichen des 17. Altersjahres erhält der Auszubildende den Lernfahrausweis zwecks Bestehens der Führerprüfung Kat.B / C und CE (Personenwagen, Lastwagen und Anhänger) nach dem 18. Altersjahr. Die Lehre wird durch Erhalt des Eidg. Fähigkeitszeugnisses als «Gelernte(r) Lastwagenführerin resp. –führer» beendet. Danach kann man sich natürlich jederzeit weiterbilden und dementsprechende Kurse besuchen.

Revision der Berufslehre
Aufgrund des neuen Berufsbildungsgesetzes müssen sämtliche berufliche Grundbildungen (inkl. Lastwagenführerlehre) revidiert werden. Die berufliche Grundbildung für Lastwagenführer/Lastwagenführerinnen ist ein vordringliches Anliegen der Strassentransportbranche, zumal sich ein Mangel an qualifiziertem Fahrpersonal abzeichnet. Eine Arbeitsgruppe der Berufsbildungskommission  der ASTAG (Schweizerischer Nutzfahrzeugverband) und Vertreter der Berufsfachschulen haben sich intensiv mit der aktuellen Lastwagenführerlehre und den zukünftigen Bedürfnissen der Branche auseinandergesetzt. Die Arbeitsgruppe ist zu folgenden Schlussfolgerungen gekommen:
• Die Grundbildung wird zukünftig weniger auf die Mechanik und auf Reparaturen (Werkstatt) fokussiert;
• Es wird vielmehr die Prozesskette der Tätigkeiten von der Bereitstellung, dem Einladen, dem Transport, dem Ausladen und dem Bereitstellen beim Kunden gestärkt. In dieser Kette werden die Anforderungen und die Bedürfnisse des Kunden (Wertschöpfung) stärker betont und damit das Berufsbild gestärkt;
• Der Thematik der Kundenzufriedenheit, der positiven Verantwortung gegenüber dem Kunden und den entsprechenden Konsequenzen bei fehlender Verantwortung sollte grosses Gewicht beigemessen werden (insbesondere als Haltung und als Sozialkompetenz);
• Es werden Schwerpunkte (z.B. Stückguttransporte, Ausnahmetransporte, Tiertransporte, Lebensmitteltransporte temperaturgeführt, Lebensmitteltransporte (Zisternen), Brenn- und Treibstofftransporte (Zisternen), Flüssiggastransporte, Fahrzeugtransporte, Baulogistik, Holztransporte, Möbeltransporte, Entsorgungsgütertransporte usw.) gebildet, die aber nur in den Betrieben und in den überbetrieblichen Kursen spezifisch ausgebildet werden. Die Berufsfachschule ist für alle gleich;
• Es wird eine Attestausbildung (zweijährige berufliche Grundbildung) angeboten, die zum Führerausweis der Kategorie B/BE (Lieferwagen) führt;
• Der Name soll geändert werden zu «Fachangestellte/Fachangestellter Transport EBA» und «Fachfrau/-mann Transport EFZ». Diese Fokussierung und Profilierung ermöglicht nicht nur zwei tragfähige Berufsbilder, sondern potenziell auch eine hohe Durchlässigkeit von der Attestausbildung EBA zur EFZ-Ausbildung.
Praktisch Begabten entgegenkommen
Nebst der bestehenden dreijährigen Grundbildung EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis) für Lastwagenführer der Führerausweiskategorien C/CE soll neu eine zweijährige Attestausbildung EBA (Eidgenössisches Berufsattest) eingeführt werden. Diese Attestausbildung bezweckt den Erwerb der Führerausweiskategorien B/BE, so dass insbesondere Sachentransporte mit leichten Transportfahrzeugen (Lieferwagen) durchgeführt werden können. Mit der Schaffung der Attestausbildung EBA soll den tatsächlichen und demografischen Entwicklungen Rechnung getragen werden. Sie bietet insbesondere praktisch begabten Jugendlichen und Erwachsenen die Möglichkeit, einen eidgenössisch anerkannten Berufstitel zu erlangen, der ihnen in der Folge auch bessere Chancen in der Fort- und Weiterbildung eröffnet. Mit den neuen Berufsbezeichnungen soll das Berufsbild aufgewertet und insbesondere gegenüber dem Fähigkeitsausweis der Chauffeurzulassungsverordnung (CZV) klar abgegrenzt werden. Die neuen Berufsbilder sollen im Jahr 2012 in Kraft treten. (Quelle: ASTAG)


 

Name/Vorname:   Kurt Bläsi
Geburtsdatum: 02.Dezember 1977
Aktuelle berufliche Tätigkeit: Lastwagenführer
Arbeitgeber:  G. Leclerc Transport AG
Für diesen tätig seit: August 2001

 

 

 

 

 

Kurt Bläsi, wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?
Nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung habe ich ein Jahr in Kanada auf einer Farm gearbeitet. Da kein elterlicher Betrieb zwecks späterer Übernahme vorhanden war, musste ich mich nach meiner Rückkehr anderweitig orientieren. Ich fand eine Anstellung beim Betreiber einer Kompostieranlage, wurde als Allrounder/Ferienablöser eingestellt und konnte parallel die Lastwagenprüfung absolvieren. Die Firma gabs irgendwann nicht mehr, was mich wiederum zu einer Neuorientierung veranlasste – und so «landete» ich bei der Firma Leclerc.

Was hat Sie damals bewogen, den Beruf des Lastwagenführers zu ergreifen?
Ergab sich natürlich auch durch den Job bei der Kompostieranlage – aber wie schon gesagt, hatte ich diesen Gedanken bereits im Vorfeld.

Gab es Alternativen? 
Grosse Alternativen gab es damals nicht. Eigentlich wollte ich eine zweite Lehre als Landmaschinenmechaniker machen, habe mich x-mal beworben, aber es wurden immer Personen berücksichtigt, die noch keine Ausbildung hinter sich haben. Deshalb entschloss ich mich damals auch, ein Jahr nach Kanada zu gehen.

Wie hat sich die Ausbildung zum Lastwagenführer in der Zwischenzeit verändert?
Damals stand nach der Theorieprüfung die praktische Fahrschule mit anschliessender Prüfung auf dem Programm. Heute braucht es einiges mehr, ist deutlich zeitintensiver, man braucht mehr Fahrstunden. Dazu kommt die finanzielle Seite – die Kosten haben sich in der Zwischenzeit mehr als verdoppelt. Ideal ist es, wenn man die Ausbildung in einem Betrieb machen kann.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?
Natürlich die selbstständige Arbeitsweise und die Verantwortung, die man übernimmt. Dazu kommt natürlich, dass man viel rumkommt und dementsprechend viel sieht.

Welche Güter transportieren Sie hauptsächlich?
Vorwiegend Lebensmittel und Gefahrengut.

Fahren Sie immer dasselbe Fahrzeug / dieselbe Strecke?
Dasselbe Fahrzeug ja, dieselbe Strecke nein. Ich bin in der ganzen Schweiz und ganz Europa unterwegs – je nachdem, wohin es mich verschlägt.

Gibt es eine Tour, die Sie besonders gerne fahren?
Eine bestimmte Tour nicht, aber ich bin sehr gerne in Italien unterwegs – Richtung Süden.

Gibt es Güter, deren Transport Sie bevorzugen?
Lebensmittel – im temperaturgeführten Bereich.

Oft verfolgen Lastwagenführer das Ziel, sich später als Disponent ausbilden zu lassen. Wie sieht es bei Ihnen aus?
Dies stand auch schon mal zur Diskussion, normalerweise kann man sich in der gleichen Firma weiterbilden lassen. Für mich kommt es im Augenblick nicht in Frage – schliesse dies jedoch nicht grundsätzlich aus. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, werde ich die Chance ergreifen.

Welche beruflichen Ziele hinsichtlich Ihrer Tätigkeit haben Sie?
So viele verschiedene Möglichkeiten gibt’s leider nicht – im Rahmen unseres Berufes ist es etwas enger geworden. Aber es kann durchaus sein, dass man in einen anderen Bereich wechseln kann.

Was können Sie einem Jugendlichen empfehlen, der beabsichtigt, diesen Beruf zu ergreifen?
Ich würde ihm auf jeden Fall nicht empfehlen, «nur» den Beruf als Lastwagenführer zu erlernen, sondern zusätzlich einen mechanischen Beruf. Ein zweites Standbein kann nicht schaden.

Könnten Sie die Zeit zurückdrehen und stünden Ihnen alle Türen offen, würden Sie denselben Berufsweg wieder gehen?
Ich würde sicher noch eine andere Ausbildung absolvieren, mich energischer einsetzen, um das eben erwähnte zweite Standbein zu erlangen.

Wie haben Sie sich, resp. Ihr Fahrzeug auf den Winter vorbereitet?
Dazu gehört natürlich die wintertaugliche Bereifung, Kontrolle der Batterien, sämtlicher Flüssigkeiten und Schneeketten.

Kurt Bläsi, herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.


 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 06. Februar 2012 um 15:56 Uhr